Das Jahr hat kaum begonnen und schon hab ich meine erste faustdicke Überraschung. Lupe hatte ich nach seinen letzten beiden Alben und dem halbgaren Zeug, was danach während dem Streit mit Atlantic kam, eigentlich schon abgeschrieben. Als dann auch noch dieses Album im Streit rausgekommen ist (weil Lupe scheinbar gedroht hat, ansonsten seinen Vertrag platzen zu lassen) waren jegliche Erwartungen quasi verschwunden und ich wollte nur wenigstens mal reinhören, weil er einfach extrem talentiert ist, vor allem textlich.
Der erste Hördurchgang hat mich dann schon komplett umgehauen und ich musste es noch ein paar Mal laufen lassen. Textlich weiterhin beeindruckend, sehr interessantes Konzept mit den 4 Jahreszeiten und vor allem endlich mal wieder ein absolut rundes und stimmiges Soundbild, für das vor allem DJ Dahi und S1 verantwortlich waren.
Hab mir heute auf jeden Fall direkt mal die CD bestellt und bin mal gespannt wie sich das noch entwickelt. Stand jetzt (also nach insgesamt 3 Hördurchgängen) ist das ein neuer Höhepunkt in Lupe's Karriere und zusammen mit dem Debütalbum von Joey Bada$$ der erste Kandidat für die Jahresendlisten.
Auch nach 11 Monaten ist das Album für mich die bisher größte Überraschung in diesem Jahr. Würds mittlerweile sogar als sein bestes Werk bezeichnen. Das Soundbild ist extrem gelungen und hat im Vergleich zu allen seinen Vorgängern keine wirklichen Schwächen. Das Konzept fand ich von Anfang an interessant, habe aber ehrlich gesagt gar nicht durchgeblickt, was er damit ausdrücken wollte. Bis Lupe selbst in einem Interview den Tipp gegeben hat, das Album rückwärts zu spielen, also in umgedrehter Reihenfolge. Macht man das hat man nämlich sein bisheriges Leben auf 16 Tracks zusammengefasst. Angefangen mit seiner Kindheit ("They.Resurrect.Over.New" als Anspielung auf das Videospiel Troy aus Lupes Geburtsjahr, "Madonna" über das Leben als alleinerziehende Mutter), seinem Aufwachsen in der Hood ("Deliver" als erste Wahrnehmung der Zustände, "Chopper", auf dem die 6 Featuregäste in ganz starker Weise als Gangster und Thugs die Gefahren und die Gewalt des Ghettos darstellen sollen, vor allem Trae und Trouble liefern dabei enorm ab oder "Prisoner 1 & 2", als einige von Lupe's Freunde dann noch in den Knast kommen), seiner musikalischen Karriere und auch den Fehlern, die er begangen hat (unter anderem der Atlantic-Vertrag, mit dem auf "Dots & Lines" wunderbar harmonisch abgeschlossen wird) und schließlich seinen Fähigkeiten als Rapper mit dem unglaublichen "Mural", auf dem er fast 9 Minuten ohne Hook oder Schnörkeleien reine Bars raushaut und zeigt, dass ihm technisch und textlich nur wenige gewachsen sind. Abgeschlossen wird das Konzept dann quasi von dem "Summer"-Interlude, das stellvertretend für seine strahlende Zukunft als Independent-Rapper stehen soll. Klingt an sich recht einfach, aber was Lupe dazu dann noch in den einzelnen Tracks für religiöse und philosophische Spielereien auspackt, ist teilweise schon echt nerdig. :smt003 Aber so war er schon immer und dementsprechend gehört das auch dazu. Insgesamt ein unglaublich starkes Album von Lupe und für mich auch der Meilenstein in seiner Karriere.